Liebes Tagebuch,
Gestern hab ich meinen kleinen Schneetiger zur jährlichen Kontrolle gebracht, er war wie immer nicht recht begeistert vom Tierartzt und hatte die ganze zeit rumgeknurrt. Den Artzt hatte das nicht beeindruckt, er kennt Grr mittlerweile schon sehr gut. Ich weiß noch, dass er bei der ersten Visite bei jedem Knurren zusammen gezuckt ist und mich gebeten hatte, den Kopf fest zu halten. Wie kann man sich nur vor so einer harmosen Mietze fürchten?
Als ich in den Wartesaal kam, sind alle sehr erschrocken. Sie wollten dass ich mit meinem Grr draußen warte, aber ich hab mich nicht einfach so verschicken lassen, wieso sollte ein Tiger draußen warten, wenn sogar Schlagen in Stoffsäcken drinnen waren? Nach fünf minuten hatten sich die Leute alle beruhigt und Grr lag friedlich neben meinem stuhl und leckte seine Pfoten (er war zuvor in einen großen Eisbecher getreten).
Vor mir an der Reihe war eine Menschenfrau mit einem komischen Wolf, der irgendwie zu klein geraten ist. Er kam mir bis zum Knie und hatte eine Art Band um den Hals, der an einem Seil an die Besitzerin gehängt war. Zuerst dachte ich ja sie wolle das Tier würgen, aber nachdem er immer wieder wie ein Stier an dem Seil gezogen hat war mir klar, dass das mehr eine Last für die Frau als für den Wolf war. Das witzigste war, dass dieses kleine Ding komische laute von sich gegeben hat, ich glaub es war.. Bellen. Und heulen konnte dieser komische Miniwolf auch nicht.
Sie hat behauptet das sei ein „richtiges“ Haustier, nicht so ein wildes Vieh wie meines. Nun ja, gehorsam war dieses „richtige“ Haustier nicht, er kannte weder „sitz“ noch „fass“ noch „aus“. Dafür biss er fast allen ins Bein, ohne dass die Frau viel dagegen tat, das Seil half ihr dabei auch nicht wirklich. Irgendwie verstand ich, warum sie sich dieses winzige Wölfchen zugelegt hatte, es wäre etwas unangenehm gewesen, wenn sie sich ein echtes Haustier wie einen Löwen, Bären oder einen Raptor zugelegt hätte.
Irgendwann waren alle mit den Beinen auf den Stühlen und beschwerten sich, es tat weh und sie wussten ja nicht, ob dieses Tier Tollwut hatte oder so was, es war ja nicht zum Spaß hier. Auf jeden fall waren alle Beine bis auf meine in der Höhe und das zog diese Ratte mit Lockenwicklern magisch in meine Richtung. Ich dachte mir nichts dabei denn ich trug eine dicke Lederschiene auf meinen Beinen, mein Grr war da anderer Meinung und verpasste dem Wolf einen heftigen Schlag mit seiner Pfote bevor dieser mich erreicht hatte.
Er heulte jämmerlich (also konnte er doch noch ein wenig heulen) und flog mit voller Wucht gegen die Wand. Danach rannte die Frau zu ihrem richtigen Haustier, hob es hoch und rannte damit in die Praxiskammer (der Artzt hatte gerade „herein“gerufen). Sie sagte so was wie „This has consequenzes!“ Grr legte sich seelenruhig wieder hin und leckte weiter seine Pfote.
Alle waren Geschockt und still. Die ersten setzen sich langsam wieder normal auf ihre Stühle und betrachtten den Schneetiger.Irgendwann tauchte das Gesicht des Artztes auf und musterte Grr (Die Frau hatte ihm wohl die Geschichte erzählt), er begann zu lachen und sagte: „Dieser Tiger da soll Sie und ihren Hund aggressiv und gewaltsam angegriffen haben? Der ist so zahm dass ich ihn als Abstellfläche für Dynamit gebrauchen könnte.“
Ich war sooo stolz auf meine Mietze…
CK